Samstag, 16. April 2011

John Wayne lebt!

Und zwar in Form von Jeff Bridges. Die Verkörperung des abgehalfterten Marshalls Cogburn ist wieder eine Glanzleistung von Bridges, die er mittlerweile wahrscheinlich ohne Vorbereitung morgens nach Aufstehen schon vollbringen kann (nach "The Big Lebowski", "Männer, die auf Ziegen starren" und "Crazy Heart"). Alle anderen Darsteller, außer vielleicht Hailee Steinfeld als Mattie Ross, verblassen dagegen. Also fast eine "One-man-show", aber im guten Sinne.

Eine Schande, dass es keine Oscars gab!

Empfehlung: Unbedingt im Original ansehen - man versteht vielleicht nicht alles, doch es ist ein großer Genuss!

TRUE GRIT

Originaltitel: True Grit

USA 2010

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Darsteller: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Josh Brolin, Matt Damon

Produktion: Paramount Pictures

Verleih: Paramount Pictures

Länge: 110 Minuten

FSK: 12

Start: 24. Februar 2011

Dienstag, 7. Dezember 2010

Inception: Traumhafter Film - oder filmische Wirklichkeit?

Offenbar schätzen die meisten Kritiker den Film als "wunderbar" oder überschätzt ein.

Alleine diese Bandbreite spricht für diesen Film - denn wer würde einen uninteressanten Film hassen?

Und beide Seiten haben Recht - teilweise!

Die Idee ist fantastisch und die Traumwelten (überwiegend) fantasievoll, vor allen Dingen die Szenerie in Paris. Die Actionszenen sind durch die Grundidee begründet - das Bewußtsein wehrt sich eben gegen die Eindringlinge. Aufdringlich und überflüssig fand ich nur den Score/Soundtrack der Eisfestungsszenerie. Laut und aufdringlich, definitiv kein Meisterwerk von Hans Zimmer!

Der Film bleibt seiner inneren Logik treu, wenn auch zum Teil zuviel erklärt wird. Dies könnte aber auch daran liegen, dass sich die handelnden Personen selbst bewußt machen müssen, auf welcher Traum-/Bewußtseinsebene sie sich befinden. Dahingehend ist die Erzählstruktur nicht konfus. Man muss nur mitdenken...

Die Grundstimmung wird durch die Handlungsebenen bestimmt. Purer "Suspense" da man bis zum offenen Ende nie, auf welcher Ebene man ist und ob die Realitätsebene wirklich die Realität ist...

Auch wenn hier viel auf die Matrix-Konstellation verwiesen wird - dies hier ist anders, eine Weiterentwicklung. Matrix ist eine Traumebene für alle, Inception bedeutet mehrere Traumebenen für jeden.

Gerade das offene Ende gehört zu einem Film, der auf Traumebenen spielt - denn welcher Traum endet ohne offenes Ende?

Wenn man die Geschichte linear erzählen würde, wäre die Geschichte natürlich banal, aber das gilt für viele verschachtelte Filme (Memento, Following, Pulp Fiction, (500) Days of summer).

Was man dem Film vielleicht vorwerfen kann - er ist etwas zu lang. Aber schließlich dauert die tiefst Traumebene immer etwas länger, und wer kann schon die Länge eines Traumes bestimmen?

INCEPTION

USA 2010

Regie: Christopher Nolan

Buch: Christopher Nolan

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Joseph Gordon-Levitt, Tom Hardy, Cillian Murphy, Tom Berenger, Michael Caine, Marion Cotillard

Produktion: Legendary Pictures, Syncopy, Warner Bros.

Verleih: Warner

Länge: 148 Minuten

Start: 29. Juli 2010

Samstag, 25. November 2006

Fred ist nicht im Kino

"Wo ist Fred" ist einer dieser Filme, die mich schon beim Ansehen der Vorschau abschrecken. Der Film wirkt durch sie zwanghaft auf witzig gemacht, was nie ein gutes Zeichen ist. Nichts gegen Slapstick, aber dies ist doch nun wirklich zu durchsichtig. Wenn man die Vorschau gesehen hat, kennt man höchstwahrscheinlich schon die besten Gags des ganzen Films. Der Plot ist auch klar: Fred verliebt sich natürlich in die sympathische Reporterin und erkennt, dass diejenige, in die er am Anfang des Filmes verliebt war, nur eine Zicke ist. Und natürlich: dass Behinderte auch nette Menschen sind. Jaja, diese Botschaft ist natürlich wichtig, aber sie darf nicht der einzige Grund sein, den Film anzusehen.

Also Zuhause bleiben und den Film irgendwann umsonst auf RTL gucken oder so. Da kann man wenigstens zwischendurch abschalten oder was anderes machen. Jeder Euro den man hier investiert, scheint mir vollkommen verschenkt.

Ein guter Freund von mir

Wer mich kennt, weiß, dass ich kein großer Fan deutscher Filme bin. Sie sind meistens nur bessere TV-Filme, als Komödie oft zu flach & zu banal, als Drama meist zu selbstverliebt & dröge. Verschärfend ist, dass deutsche Filme, sobald sie auch nur ein wenig besser als durchschnittlich sind, von der Kritik dermaßen überschätzt und in den Himmel gehoben werden, dass es mir graut. Ich nenne nur "Goodbye Lenin" und "Das Wunder von Bern"...

Doch nicht dieser Film!

"Ein Freund von mir" ragt bei den diesjährigen Jürgen-Vogel-Filmfestspielwochen besonders heraus. Obwohl er dieses Jahr fast so oft in Filmen mitspielt, dass man ihn als deutschen Samuel L. Jackson bezeichnen könnte. Er kommt mal wieder zu authentisch rüber, als ob er in dem einfach Jürgen Vogel spielen würde, und nicht irgendeine Rolle. Solche aufgekratzten und manchmal kennt wohl jeder. Sie können zwar manchmal nerven, doch hier gibt es das Korrektiv in Form von Daniel Brühl, der von Vogel erst einmal aufgetaut werden muß, um das wirkliche Leben zu erkennen. Bis dahin hält er die Art, wie er lebt und seine Arbeit in einem maximal 5 qm Kabuff mit Fenster (auch bekannt als Büro) für das wahre Leben. Welch ein Irrtum. Er muss sich erst verlieben und Freundschaft kennenlernen, um die Augen wirklich öffnen zu können. Für Brühl Spiel gilt, was auch für Vogels Spiel gilt: es wirkt authentisch. Große Schauspielkunst und gute Schauspielerführung in einem leider leicht zu unterschätzenden Film.

Ein Jungsfilm sicherlich, doch auch mehr: eine Lektion über Freundschaft, mit viel Witz und einem Schuß Romantik? Was will man mehr von einem (deutschen) Film? Nichts! Reingehen!

EIN FREUND VON MIR

(DEUTSCHLAND 2006)

Regie: Sebastian Schipper

Buch: Sebastian Schipper

Darsteller: Daniel Brühl, Jürgen Vogel, Sabine Timoteo

Produktion: X Filme, Film 1

Verleih: X Verleih

Länge: 84 Minuten

Start: 26. Oktober 2006


James Bond begins!

Mal ehrlich: wer hätte geglaubt, dass es noch einmal einen ambitionierten Bond-Film geben würde? Oder einen interessanten Bond-Film mit einem Hauptdarsteller, der nicht wie ein Dress-man aussieht? Oder dass Daniel Craig der passende Darsteller wäre?

Ich nicht!

Als ich von der Besetzung hörte, dachte ich: wie kann man einen Typen mit dieser (Schläger-)Visage als 007? Warum nicht Clive Owen oder Hugh Jackman? Oder gar Ewan McGregor? Und ein ambitionierter Bond nach dem unverdienten kommerziellen Erfolg der unfreiwilligen Selbstparodie "Stirb an einem anderen Tag"? Niemals, denn es gibt eben Dinge, die einfach unmöglich sind.

Doch nicht hier! Das Konzept, Bond zu seinem Anfängen zurückzuführen, funktioniert wunderbar, obwohl sich natürlich Paralleln zu "Batman begins" aufdrängen. Doch aller aufgesammelter Ballast ist von seinen Schultern genommen und die Figur kann wieder sie selbst sein. Es funktioniert, nicht obwohl sondern eher weil man Bond kennt, wie er nach seinen Anfängen sein wird. Hier ist alles neu für ihn und es ist gut!

Es gibt keinen aufgesetzten Humor, der in den letzten Jahren fast nur noch selbstferentiell wirkte. Hier ist er menschlisch, schwarz und auch manchmal zynisch. Beinahe so wie in seeligen Connery-Zeiten. So pointierte Dialoge wie zwischen Bond und Vesper Lynd in ihrer Kennenlernphase hat es in Bondfilmen fast nie oder zumindest nur vor ewigen Zeiten.

Wie eine solche Beziehung bei Bond ausgehen muss, wissen wir, doch man wünscht sich, dass es den beiden wirklich gelänge...

Aus Bond wird zwar nie ein Jack Bauer werden können, doch hier zeigt sich schon in der Vor-Titel-Sequenz (selten war eine so gut und passend, besonders der Schnitt zur klassischen Bond-Pose und zum Vorpann), dass seine nicht mehr bloß Schwarz-Weiß ist, sondern voller Grautöne...

Zum Schluss nur noch 2 Bemerkungen: 1. was Bond nicht umbringt, macht ihn nur noch härter; 2. schaut Euch diesen Film an!


CASINO ROYALE
(UK/USA 2006)
Regie: Martin Campbell
Buch: Neal Purvis, Robert Wade, Paul Haggis
Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Judi Dench, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini
Produktion: Metro- Goldwyn- Mayer (MGM), Columbia Pictures, Eon Productions Ltd., Danjaq, Stillking Films, United Artists
Verleih: Sony Pictures
Länge: 141 Minuten
Start: 23. November 2006